Auf den Apfel(geschmack) gekommen – SchlossGenuss in Eutin

Der Ausblick von meinem neuen Lieblingsplatz im Küchengarten Eutin. © Katrin Krumpholz

Der Ausblick von meinem neuen Lieblingsplatz im Küchengarten Eutin. © Katrin Krumpholz

Wenn ich darüber nachdenke, was SchlossGenuss für mich bedeutet, stelle ich fest: Es hat meist mit Gärten und Pflanzen zu tun. Und am Ende meist auch mit kulinarischem Genuss: wie zum Beispiel Esskastanien im Landschaftsgarten sammeln und anschließend gemütlich eine Tasse Ostfriesentee im Parkcafé genießen, Stinzepflanzen erkunden und Urspargel probieren, während eines Wandelkonzertes verschiedene Schlossräume entdecken und zwischendurch am Buffet stärken. Soviel zu meinen ersten Ideen an Kulturgenüssen.

Im geplanten Absatz über SchlossGenuss in Eutin fehlte mir geeignetes Bildmaterial, weswegen ich am vergangenen Pfingstmontag einen Ausflug dahin unternahm. Mein Ziel: der Küchengarten im Schlossgarten, der zu den bedeutendsten Landschaftsgärten in Norddeutschland zählt. Der Pfingstmontag war sonnig und mild und damit der perfekte Tag für eine Kultour in die Holsteinische Schweiz – mein Rundgang durch den Wirtschaftsgarten überraschend informativ und inspirierend, so dass ich auf der Rückfahrt beschloss: Statt mehrere SchlossGenuss-Erlebnisse vorzustellen, konzentriere ich mich auf eines. Gesagt getan: Auf geht’s zum #SchlossGenuss im Eutiner Küchengarten.

Die Landesgartenschau Eutin

Die Schauküche neben dem Neuholländerhaus sponsorte Ikea Lübeck anlässlich der Landesgartenschau Eutin. © Katrin Krumpholz

Die Schauküche neben dem Neuholländerhaus sponsorte Ikea Lübeck anlässlich der Landesgartenschau Eutin. © Katrin Krumpholz

Den milden Wind auf der Haut, den Duft der blühenden Wiesen im Landschaftsgarten in der Nase spazierte ich zielstrebig zum Küchengarten. Gerne hätte ich die Apfelblüte fotografiert, doch die Obstbäume und -sträucher tragen bereits erste Früchte. Ich startete mit ein paar Weinreben an der unteren Küchengartenmauer und folgte, die schon fast zu heiße Sonne im Rücken, den Infotafeln entlang der Backsteinmauer. Neugierig las ich mehr über die Entstehung und Historie des Eutiner Küchengartens.

Als ich 2015 zum ersten Mal hier war, war der Küchengarten noch eine Baustelle – als Teilprojekt der Landesgartenschau Eutin 2016. Die Landschaftsgärtner legten eine Drainage und die beiden offenen Wasserkanäle an. Erste Obstgehölze waren an den neu angelegten Wegen und an den Rabatten gepflanzt. Die circa 2,5 Meter hohe, rund 80 Meter lange Quermauer – Windschutz und Sonnenfalle –, an der nun Spalierobst aus Äpfeln und Birnen wächst, stand noch nicht, und ich brauchte schon etwas Fantasie, um mir den späteren Schau- und Lehrgarten inklusive Schauküche vorzustellen. Da wir während der Führung einen Gesamtüberblick über das Gartenschaugelände erhielten, gab es nur wenige Infos zum Küchengarten, aber nicht en detail, wie ich sie nun auf den Infotafeln vorfand.

Die Renaissance der Küchengärten

Bereits ab 2005 gab es Überlegungen, den Eutiner Küchengarten zu rekonstruieren. Man schrieb international einen Wettbewerb aus und entschied sich für das Konzept, den Küchengarten historisch weitestgehend zu rekonstruieren und ihn als Schau- und Lehrgarten anzulegen: Hier sollen unter anderem Kindergarten- und Schulkinder lernen, wie heimisches Obst und Gemüse angebaut werden.

Das wissenschaftliche Interesse an Küchengarten und ihrer Bedeutung ist in den letzten Jahren gestiegen, lese ich über kuechengarten.net: Zum Netzwerk zählen neben dem Küchengarten in Eutin unter anderem der Wirtschaftsgarten im Veithöchsheimer Hofgarten, der Prinz-Georg-Garten in Darmstadt, der Konventgarten im Kloster Seligenstadt und der Königliche Weinberg am Klausberg im Park Sanssouci. Die Revitalisierung des Eutiner Küchengartens ist eines der Pilotprojekte, das unter anderem mit Mitteln aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert wurde.

Nutzgärten zwischen Exotik und Heimat

Lecker: Eierkuchen mit Schnittlauch. Das alte Rezept stammt aus dem Lindauer Kochbuch von 1852. © Katrin Krumpholz

Lecker: Eierkuchen mit Schnittlauch. Das alte Rezept stammt aus dem Lindauer Kochbuch von 1852. © Katrin Krumpholz

Die Anfänge der Eutiner Nutzgärten gehen ins 17. Jahrhundert zurück. Es gab bereits Nutzpflanzenquartiere im Barockgarten, ab 1650 sogar einen Melonengarten (bis ins 19. Jahrhundert hinein) und verschiedene Treib- und Gewächshäuser, in denen exotische Früchte gezüchtet wurden wie Feigen und Ananas. Ananastreiberei in Eutin! Bis 1878 lese ich auf einer Tafel, die eine historische Ananas-Zeichnung ziert. Faszinierend. Von den historischen Gartengebäuden sind die Orangerie und das Neuholländerhaus erhalten. Beide Gebäude stehen seit ihrer Sanierung für Veranstaltungen zur Verfügung.

„Teures“ Gemüse wie Artischocken und Spargel zeugten einst vom Reichtum des Hofes und der vornehmen Lebensart. Bei Spargel muss ich unwillkürlich an den Geschmack von Urspargel denken: „Frisch, knackig, nicht holzig und – überraschend – im Abgang süß“ habe ich in meinem ersten Blogbeitrag für den Landesmarketing-Blog Glücksküstenschnack „Von Gärtnern, Bio-Bauern und einer Reise zu den Sternen“ das Geschmackserlebnis beschrieben. Seitdem interessiere ich mich mehr für alte Gemüsesorten, die seit einigen Jahren ein Comeback in der (regionalen Bio-)Küche haben wie bunte(r) Möhren und Mangold, gelbe und rote Beete oder Pastinaken.

Vahldieks Sämling Nr. 3

Die Kesselbäume wurden sechs Jahre lang im Gartenbauzentrum in Ellerhoop gezüchtet, bevor sie in Eutin eingepflanzt wurden. © Katrin Krumpholz

Die Kesselbäume wurden sechs Jahre lang im Gartenbauzentrum in Ellerhoop gezüchtet, bevor sie in Eutin eingepflanzt wurden. © Katrin Krumpholz

Für die Revitalisierung des Eutiner Küchengartens wurde so genanntes Formobst, auch Zwergobst oder Franzobst (weil die Obstbauform aus Frankreich stammt) genannt, gezüchtet. Bis zu sechs Jahre dauerte die Anzucht der niedrigstämmigen Formobstgehölze, wie sie in der Fachsprache heißen – bevor sie hier im Eutiner Küchengarten ihr neues Zuhause fanden. In Deutschland gilt Formobst als weitestgehend vergessen. Sein ursprünglicher Zweck: schönes Tafelobst. Klassische Wuchsformen kenne ich vom Sehen, jetzt sehe ich sie mir genauer an und lese aufmerksam ihre Bezeichnungen wie „Doppel-U-Spalier“ oder Kesselbaum.

Laut der Infotafel mit der passenden Überschrift „Von Äpfeln und Birnen“ gab es in Deutschland um 1880 rund 2.000 Apfelsorten! Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wuchsen im Eutiner Küchengarten noch 200 Apfel- und 13 Birnensorten. Von diesen alten Obstsorten ist heute nur noch ein alter Baum übrig: der älteste Baum der Sorte Holsteiner Cox! Als „Vahldieks Sämling Nr. 3“ eines Cox Orange wurde er um 1900 vom Obstgärtner und Maler Johannes Vahldiek hier in Eutin gezogen. Später wurde die Sorte umbenannt in „Holsteiner Cox“ und ist heute eine der Hauptanbausorten in Schleswig-Holstein. Der Apfel ist das meistangebaute Obst in Schleswig-Holstein, wenn auch das Land zwischen den Meeren dafür weniger prominent als das Alte Land bei Hamburg ist.

Gibt es eigentlich Obstverkostungen?

Der Vater des Holsteiner Cox: die Cox's Orangen-Reinette. Die Abbildung stammt aus Wilhelm Lauche. Deutsche Pomologie, Berlin 1882. © Katrin Krumpholz

Der Vater des Holsteiner Cox: die Cox’s Orangen-Reinette. Die Abbildung stammt aus Wilhelm Lauche, Deutsche Pomologie, Berlin 1882. © Katrin Krumpholz

Manche der angebauten Sortennamen klingen eher nach Reb- als nach Apfelsorten, dabei ebenso exotisch wie lecker. Bei Namen wie „Goldrenette von Blenheim“, einer Herbstapfelsorte, oder „Schöner von Nordhausen“ und „Purpurroter Cousinot“, beides Winterapfelsorten, läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Ich hätte große Lust, sie alle zu probieren – und „meine Apfelsorte“ zu finden wie Augustus Burnham Patch in „Der Apfelgarten“ (S. 114) von Adele Crockett Robertson: „Wir [seine Frau und er] sind altmodisch und mögen altmodische Äpfel.“ Damit sind die Sorten „Spies“ und „Boskop“ gemeint.

Vielleicht begeistern mich die Apfelbäume und -sorten auch deshalb, weil das Thema Äpfel gerade an so vielen Stellen aufploppt. Ich lese den „Apfelgarten“ und arbeite aktuell an einem Ort, zu dem ein faszinierender Garten mit rund 50 historischen Apfelsorten gehört. Hier, im Nordkolleg Rendsburg, wird in jedem Jahr Anfang Mai das Apfelblütenfest gefeiert. Vor zwei Jahren habe ich auf einem Apfelhof im Alten Land die Vielzahl an Apfelsorten bestaunt (etwa 20 bis 30), die dort angebaut werden und das ganze Jahr über erhältlich sind. Gerne wüsste ich mehr über die einzelnen Sorten, ihren Geschmack und leckere Rezepte.

Gartenmöbel mit Obstblick

Mein Lieblingsplatz im Schatten: ein gewachsenes Gartenmöbel. © Katrin Krumpholz

Mein Lieblingsplatz im Schatten: ein gewachsenes Gartenmöbel. © Katrin Krumpholz

Nach meinem Rundgang genieße ich noch einmal in Ruhe den Blick auf die Obst- und Gemüsebeete, im Schatten auf einer Bank sitzend. Kein Wunder, dass der knapp zwei Hektar große Küchengarten ab 1791 im Zentrum des Schlossgartens angelegt wurde: Die Sonneneinstrahlung ist wie die Nähe zum Eutiner See zwecks Entwässerung ideal.

Am oberen Ende des Gartenareals entdecke ich ein Gartenmöbel – mehrere Bäume mit schlanken Stämmen, die in Stuhlform gebogen wachsen. Ein absoluter – schattiger – Lieblingsplatz! Typisch Landesgartenschau gibt es natürlich auch was für Kids: Spielplatzelemente in Gemüseform. Da weit und breit keiner zu sehen ist, kraxle ich auf die Paprika. Zwiebel und Tomate erscheinen mir zu ungemütlich.

Spielspaß für Kids. Die Paprika habe ich gestestet und für gut befunden! © Katrin Krumpholz

Spielspaß für Kids. Die Paprika habe ich gestestet und für gut befunden! © Katrin Krumpholz

Mein SchlossGenuss in Eutin endet mit einem Rundgang durch den hinteren Teil des Landschaftsgartens in Richtung Monopteros. Ich genieße den zarten Duft des weißen und lilafarbenen Flieders und freue mich, ein kleines blaues Meer aus Vergissmeinnicht zwischen so viel Grün zu sehen. Einen so zauberhaften Nachmittag in Eutin hatte ich nicht erwartet. Schließlich war ich ja nur wegen der fehlenden Fotos da.

Übrigens: SchlossGenuss ganz bodenständig

Auf vielen schleswig-holsteinischen Obsthöfen – auf Herrenhäusern und Gütern – an der Ostsee und im Binnenland wird Obst zum Selberpflücken angebaut, – darunter Erdbeeren, Himbeeren, Kirschen, Johannisbeeren. In den Hofcafés gibt’s leckere Kuchen und Torten, wie auf dem Himbeerhof Steinwehr direkt am Nord-Ostsee-Kanal – die Himbeertorte ist ein Traum! – oder auf dem Obsthof Gut Stubbe mit Schlei-Blick.

Du bist nun inspiriert zum eigenen Blogbeitrag? Dann findest du hier alle weiteren Infos zur Teilnahme an der Blogparade Genießer-Tipp: Entdecke mit mir Schloss …| #SchlossGenuss“.

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2 thoughts on “Auf den Apfel(geschmack) gekommen – SchlossGenuss in Eutin”

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