Mein „Best of Prag“: mein KultTrip

Prag _BeitragsbildAuf der Suche nach dem richtigen Thema für meinen ersten kultourbunt-Blog-Beitrag stöbere ich in meinem Bildarchiv. Was Tanja Praske zu ihrer Blogparade #KultTrip inspirierte, soll mich nun ebenfalls inspirieren: Bei all den schönen Aufnahmen fallen mir unzählige Geschichten ein!

Ich bleibe bei Prag hängen.

Erinnere mich an meinem letzten Besuch im Januar 2015: Prag zeigt sich bei bestem Winterreisewetter von seiner schönsten Seite. Die Sonne scheint, die Luft ist kalt und klar. Wie aus dem Nichts erklingt die Melodie der „Moldau“. Wie passend! Ich genieße einen tollen Ausblick auf die Stadt und höre dazu meine Lieblingsmusik: ein Stück aus dem sinfonischen Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedřich Smetana. Gespielt von einem Stehgeiger an der alten Schlossstiege, die von der Burg nach unten zur Kleinseite (Malá Strana) führt. Grandios!

Jugendstil Detail II

Wunderbare Jugendstil-Dekore an den Häuserfassaden in der Prager Neustadt. © Katrin Krumpholz

Prag. Meine Lieblingsstadt. Als Austauschschülerin habe ich mich in die Moldaumetropole verliebt. Ich träumte davon, hier zu leben und die Luft der Bohème zu schnuppern. Prag. Mein Sehnsuchtsort.

Den Traum habe ich im Studium verwirklicht, als Praktikantin einer deutschen Zeitung. Dazu: zahlreiche Besuche, wann immer es passte. Das erhoffte künstlerische Flair der Bohème fand ich zwar nicht, dafür aber das alltägliche Prager Stadt- und Abendleben und Orte abseits touristischer Hotspots. Was liegt nun also näher, als in Erinnerungen zu schwelgen und über „mein Prag“ zu schreiben, über ausgewählte Sehenswürdigkeiten und persönliche Tipps?

Prag kennenlernen mit der Tramlinie 22

Ich starte mit einem Tipp, der längst kein Geheimtipp mehr ist: die Fahrt mit der Tramlinie 22 – die günstige Variante einer Stadtrundfahrt. Zwischen den Haltestellen Prager Burg (Pražský hrad) und Friedensplatz (Náměstí Míru) im Stadtteil Vinohrady (dt. Weinberg), bekommst du einen schönen Überblick über die Altstadt.

Namesti Miru Kirche

Die Kirche der Hl. Ludmila (Kostel sv. Ludmily) in der Abendsonne. © Katrin Krumpholz

In Vinohrady habe ich während meines dreimonatigen Praktikums gelebt und gearbeitet. Hier finden sich viele Cafés und typische Prager Kneipen, wie das Pastička, und nette Restaurants, die günstig Mittagsgerichte anbieten, wie das V Korunni (hier trifft man vor allem Einheimische).

Herbst im Garten

In den Burggärten lässt es sich herrlich lustwandeln (von April bis Oktober). © Katrin Krumpholz

In der anderen Fahrtrichtung erklimmt man mit der Tramlinie 22 bequem den Burgberg (Pražský hrad).

Bei meinen letzten Touren habe ich vor allem ausgiebige Spaziergänge in den Gärten und Parks der Stadt unternommen: in den Burggärten, auf dem Petřín (Tramstation Újezd), auf dem eine Miniatur des Eiffelturms und Aussichtsplattform steht, und im Letnápark (Tramstation Výstaviště).

Egal wo – ich klettere gerne nach oben und genieße die Ausblicke auf die 1000 Türme der Stadt, auf die Moldau und die zweite Prager Burg: den Vyšehrad.

Unterwegs im 6. Stadtteil Vyšehrad

Der einstige, legendenumrankte Herrschersitz wurde im 17. Jahrhundert Teil eines Bastionssystems, das man bis heute besichtigen kann. Mit der Metrolinie C sind es vom Zentrum (Muzeum) aus zwei Stationen und wenige Fußmeter zu gehen. Der Ausflug lohnt sich!

Von der Festungsanlage Vyšehrad genießt man ganz in Ruhe einen tollen Ausblick auf die Prager Burg. © Katrin Krumpholz

Von der Festungsanlage Vyšehrad genießt man ganz in Ruhe einen tollen Ausblick auf die Prager Burg. © Katrin Krumpholz

Auf dem weitläufigen Burgareal findet man abseits des touristischen Trubels Ruhe. Von hier aus hat man einen ebenso fantastischen Blick über die Stadt wie umgekehrt.

Künstler, Wissenschaftler und Politiker fanden auf dem Prager Vysehrad ihre letzte Ruhestätte. © Katrin Krumpholz

Künstler, Wissenschaftler und Politiker fanden auf dem Prager Vysehrad ihre letzte Ruhestätte. © Katrin Krumpholz

Sehenswert sind die Kirche St. Peter und Paul (Bazilika sv. Petra a Pavla) mit ihrer neogotischen Fassade und der Ehrenfriedhof aus dem 19. Jahrhundert: Hier liegen tschechische Berühmtheiten begraben wie der Komponist Antonín Dvořák oder der Maler Alfons Mucha. (Hier lässt es sich herrlich #Gruftwandeln. ;))

Wer Zeit mitbringt, kann sich außedem die älteste Rotunde Prags – die St. Martins-Rotunde –, die Kassamatten oder die Galerie ansehen.

Übrigens: Neben der Moldau ist auch der Vyšehrad Namensgeber für eine der sechs sinfonischen Dichtungen aus Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“.

Architekturschätze des 20. Jahrhunderts

Theoretisch könnte man sich nun hier einfach unter einen Baum setzen, in Ruhe in einem Bildband von Alfons Mucha schmökern, einen Roman von Kafka lesen, im Kunst-Reiseführer von DuMont mehr über die Geschichte der Anlage erfahren oder das nächste Highlight auswählen.

Erinnert in seiner Eckfassadenlösung an das Hamburger Chilehaus: das Wohnhaus in der Neklanova 30. © Katrin Krumpholz

Erinnert in seiner Eckfassadenlösung an das Hamburger Chilehaus: das Wohnhaus in der Neklanova 30. © Katrin Krumpholz

Praktisch gibt’s für Architekturfans aber noch was zu entdecken: Unterhalb des Vyšehrad finden sich mehrere Gebäude des kubistischen Architekten Josef Chochol, die er zwischen 1911 und 1914 erbaute. Zum Beispiel das Prager „Chilehaus“: ein kubistisches Wohnhaus in der Neklanova 30. Weiter unten, am Moldauufer liegen Chochol erstes Wohnhaus, das an ein dreiflügliges klassizistisches Herrenhaus erinnert (Rašínovo nábřeží 6-10), und die Kovarovic Villa (Libusina 3). Von hier kannst du bequem mit den Tramlinien 3 und 17 zurück zum Nationaltheater (Národní divadlo) fahren.

Detail des Tanzenden Hauses von Frank O. Gehry. © Katrin Krumpholz

Detail des Tanzenden Hauses von Frank O. Gehry. © Katrin Krumpholz

Oder vorher an der Haltestelle Jiráskovo náměstí aussteigen: Hier steht das berühmte „Tanzende Haus“ (Tančící dům) der Stararchitekten Vlado Mlumicic und Frank O. Gehry, auch „Dancing Ginger & Fred“ genannt. Das dekonstruktivistische Bauwerk sticht mit seiner geschwungenen Fassade, den wellenartigen Fensterachsen und der besonderen „Ecklösung“ aus den Jugendstil-Straßenzügen deutlich hervor – und fügt sich dennoch harmonisch ein.

Mehr Kubismus

Zwischen 1911 und 1920 wurde der Kubismus von George Braques und Pablo Picasso ausschließlich in Tschechien architektonisch umgesetzt. Die tschechischen Künstler, die in Paris den neuen Malstil kennenlernten, inspirierte vor allem das Kristall als Form, wie sie es in den Diamantquadern der Prager Paläste fanden. Sie waren aber auch beeindruckt von der neogotischen Formensprache des Vyšehrad mit seinen großen, klaren, und einfachen Strukturen.

RIMG0140

Das bekannteste kubistische Gebäude Prags stammt aus dem Jahr 1912. © Katrin Krumpholz

Das älteste und zugleich populärste kubistische Gebäude Prags liegt in der Altstadt: das „Haus der Schwarzen Muttergottes“ (Dům U Černé Matky Boží), entworfen vom Architekten Josef Gočárim.

Im ersten Stock beherbergt das Gebäude das „Café Grand Orient“, das unter anderem mit kubistischen Kronleuchtern und Lampen ausgestattet ist.

RIMG0523

Kubistisch ist auch das Treppengeländer gestaltet. © Katrin Krumpholz

In der zweiten und dritten Etage des Hauses befindet sich das Kunstgewerbliche Museum, dessen aktuelle Dauerausstellung über den tschechischen Kubismus erst Ende 2015 neu eröffnet wurde.

Im Museumsshop finde ich übrigens immer schöne Geschenkpapiere mit kubistischen Dekoren (Metrostation Náměstí Republiky).

Kaffee & Kulinarisches

Für einen leckeren Kaffee, ein Stück Kuchen oder ein Baguette zwischendurch empfehle ich dir die Paneria Kaprova im Stadtteil Josefov (das Jüdische Viertel, das ebenfalls ein Must-see für Nicht-Prag-Kenner sein sollte!). Für die – französischen – Bohéme-Momente empfehle ich Dir ein Mittag- oder Abendessen im Bistro „Au Gourmandt“ (tolles Jugendstilambiente mit schönen Wandfliesen) oder im Restaurant „Chez Marcel“, das im schlichten Ambiente feine französische Küche bietet. Diese Kulinarik-Tipps liegen alle fußläufig vom Altstädter Ring entfernt (Metrostation Staroměstská).

Tipps für Kids

Bei meinen bisherigen Besuchen war ich zwar meist allein unterwegs, dennoch habe ich drei schöne Tipps für den Prager-KultTrip mit Kids:

I, V IV

„Valentino Frosch“ wird auch auf Deutsch aufgeführt. © Katrin Krumpholz

1. ein Besuch der Prager Puppentheater: Legendär sind natürlich „Spejbl und Hurvínek“ (Metrostation Dejvická). Weniger bekannt, aber ebenso empfehlenswert ist das Puppentheater „Buchteln und Puppen“ (Tramstation Malovanka), das einige Stücke auch auf Deutsch spielt.

Giraffenfreigehege

Ungewohnter Anblick: Giraffen in der böhmischen Prärie. © Katrin Krumpholz

2. der Prager Zoo im Stadtteil Troja, der direkt gegenüber des Barockschlosses Troja liegt (natürlich gibt es hier eine schöne Kunstausstellung und einen Garten zum #Lustwandeln; Bushaltestelle Zoologická zahrada).

3. Tretbootfahren auf der Moldau: Es gibt nichts Schöneres, als den entspannenden Blick vom Wasser aus auf all die Sehenswürdigkeiten zu werfen (wenn das Wetter mitspielt). Bootsverleihe findest du überall am Ufer, die Preise variieren je nach Anbieter und Boot (von 150 bis 500 Kronen pro Stunde).

Aktuelle Veranstaltungs- und Ausstellungstipps erhältst du übrigens in der jeweils aktuellen Wochenausgabe der Prager Zeitung.

Für die einzelnen Ausflüge mit Metro, Bus und Tram lohnen sich – je nachdem, wie lange du bleibst – Kurzzeitkarten:

  • eine 24 Stunden Karte für 110 Kronen,
  • die 3-Tages-Karte für 310 Kronen (Stand: Juli 2016).

Wichtig: In den öffentlichen Verkehrsmitteln kann meine keine Tickets kaufen. Diese und weitere Infos zu den Tarifen (z. B. für Kinder) gibt es in den Tourist-Informationen oder in den Verkaufsstellen der Metro-Haltestellen Můstek (am Fuß des Wenzelsplatzes), Florenc (Busbahnhof), Hlavní nádraží (Hauptbahnhof), Nádraží Holešovice (Fernbahnhof), Dejvická und Hradčanská.

Ausblick: der nächste Besuch

In Erinnerungen schwelgen ist wirklich wunderbar! Positiver Nebeneffekt: Beim Recherchieren habe ich gleich neue Ziele für meinen nächsten Prag-Besuch entdeckt, wie das Restaurant „Ginger & Fred“ im Obergeschoss des Tanzenden Hauses und das Museum Kampa – Stiftung von Jan und Meda Mládek auf der Moldauinsel Kampa (das ich bislang nur von der Wasserseite vom Tretbootfahren her kenne).

Abschließend sei noch gesagt: Prag ist immer eine Reise wert, zu jeder Jahreszeit! Mir persönlich gefällt der melancholische Charme im Herbst und Winter, wenn der Morgennebel über Stadt und Moldau liegt und die Stadt noch nicht erwacht ist. Vielleicht weil das gut zu meiner Bohème-Vorstellung passt. 😉

Hradschin morgens

Wunderschön: die Prager Burg im herbstlichen Morgennebel. © Katrin Krumpholz

Dir gefällt der Beitrag? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

6 thoughts on “Mein „Best of Prag“: mein KultTrip”

  1. Liebe Katrin,

    vielen herzlichen Dank für deinen #KultTrip – damit bist du bereits Nr. 43. Unglaubliche Kulturtrips kamen bislang zusammen und jetzt mit dir Prag – so fein!

    Prag besuchte ich auch mal vor Jahren, meine Mutter wohnte in Oberoderwitz. Von dorth fuhren wir mehrfach hin. Es waren aber immer nur wenige Stunden. Die Stadt zu erleben, in all ihren Facetten funktioniert nur so wie du es erlebt hast. Mir blieb die Burg in Erinnerung und die Knödel!

    Merci!

    Sonnige Grüße aus München
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      herzlichen Dank für Dein nettes Feedback – und für diese schöne Blogparade!

      Ich freue mich sehr, dass ich, dass wir es just in time geschafft habe/n, dabei zu sein! Ein schöner Auftakt für meinen bzw. unseren Reiseblog rund ums Thema Kultur. 🙂

      Ja, Prag hat wirklich viel zu bieten, viel zu viel für einen Tagesausflug oder Kurzurlaub. Gesehen habe ich auch aber auch längst nicht alles. 🙂 Ein Besuch der Burg und leckere böhmische Knödel gehören aber auch für mich zu jedem Prag-Besuch dazu!

      Herzliche Grüße von der Ostsee,
      Katrin

      PS: Ich freue mich schon auf die Fortsetzung vom #Lustwandeln. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.