Fünf Kultourtipps in der Metropolregion Hamburg

Tipps für Kultur-Genuss-Touren in der Metropolregion Hamburg, von Cuxhaven bis Ludwigslust, von Neumünster bis Neuenkirchen. © Metropolregion Hamburg / Foto: Katrin Krumpholz

Tipps für Kultur-Genuss-Touren in der Metropolregion Hamburg, von Cuxhaven bis Ludwigslust, von Neumünster bis Neuenkirchen. © Metropolregion Hamburg / Foto: Katrin Krumpholz

Im Dezember 2017 gab’s Zuwachs in der Broschüren-Familie der Metropolregion Hamburg: Die neue Broschüre präsentiert auf 68 Seiten „Kultur & Genuss“-Tipps von Cuxhaven bis Ludwigslust, von Neumünster bis Neuenkirchen. Neben kulturtouristischen Highlights und Hotspots wie vier Hansestädte (zwei davon Weltkulturerbe) und Elbphilharmonie gibt es eine Vielzahl an Geheimtipps und Tipps zu regionalen Köstlichkeiten. Beim Stöbern in der Broschüre sind mir fünf Tipps aufgefallen, die ich bereits besucht habe, die mich begeisterten und die ich dir für einen Besuch empfehlen möchte.

1. Von Menschen und Schiffen

Es gibt viel zu entdecken – in Schubladen und hinter Türchen. © Uwe von Schirp

Als „kulturelle Glücksreporterin“ der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein besuchte ich 2015 das Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg (S. 27) – und bloggte darüber im firmeneigenen Blog „Glücksküstenschnack“.

Das Museum erzählt die (Kultur-)Geschichte der Elbschifffahrt vom Einbaum bis zum Containerschiff, der Flussschiffer und ihrer Familien. Mich begeisterte sowohl die neue, interaktive Dauerausstellung – überall fand ich Türchen und Schubladen, in denen es etwas zu entdecken gab –, als auch die Hintergrundinfos und Anekdoten bei einer Führung: So werden heute noch die Traditionen der Flussschiffer gelebt, etwa, wenn Ende Januar die „Lustige Person“ durch Lauenburg getragen wird.

Das Museumserlebnis in Lauenburg ist auch deshalb authentisch, weil das Haus in der historischen Altstadt in unmittelbarer Nähe zur Elbe liegt. Ein anschließender Bummel durch die Elbstraße, die älteste historische Straße Lauenburgs, führt vorbei an Fachwerkhäusern mit kleinen Läden, Galerien und Kunsthandwerkstätten.

2. Prunkpforten und Apfelkuchen

Die Pforte stammt aus dem Jahr 1747 und ziert den einstigen Hofeingang des Ehepaares Jacob und Ilsebe Feltmann. © Katrin Krumpholz

Etwas weiter die Elbe runter liegt der nächste Kulturtipp: das Alte Land mit seinen Prunkpforten (S. 53). Die Pforten wurden ab dem 17. Jahrhundert errichtet, waren meist weiß gestrichen sowie mit Inschriften und Symbolen der Zeit geschmückt. Sie zierten die Hofeingänge und demonstrierten den Reichtum der Obstbauern. Eine von heute noch 14 existierenden Prunkpforten habe ich bei meiner ersten Altländer Tour 2007 entdeckt.

Winteratmosphäre im Alten Land. © Katrin Krumpholz

Winteratmosphäre im Alten Land. © Katrin Krumpholz

Ich mag die weite Obstlandschaft mit den barocken Obsthöfen und vielen Hofcafés. Ein Cafè möchte ich dir dabei ans Herz legen: das „Hofcafé Ottilie“ in Mittelnkirchen. Hier habe ich gleich zwei (!) Stücke leckersten Apfelkuchens quasi auf einmal gegessen (Foto siehe weiter unten).

Da der Frühling meine Lieblingsjahreszeit ist, ist für mich ein Ausflug Ende April/Anfang Mai ein Muss. Das Alte Land hat aber auch im Winter seinen ganz eigenen Charme, wie ich im Dezember 2016 bei einem Städtetrip nach Buxtehude erfahren durfte.

3. Kohl – so weit das Auge reicht

Was der Apfel im Alten Land, ist der Kohl in Dithmarschen (S. 59). Warum? Hier gibt es Kohl – so weit das Auge reicht: Über 3.000 Hektar Anbaufläche machen die Region zu „Europas größtem geschlossenen Gemüseanbaugebiet“. Grün. Rot. Weiß. Spitz. Rund. Röschen. Der Kohl wächst hier prächtig, er liebt die Marschböden und das Nordseeklima. Dithmarschen – ein Paradies für Liebhaber von warmen bzw. wärmenden Kohlgerichten, aber auch des Sauerkrauts.

Rund 80 Millionen (!) Kohlköpfe werden jährlich in Dithmarschen angebaut und geerntet. © Katrin Krumpholz

Rund 80 Millionen (!) Kohlköpfe werden jährlich in Dithmarschen angebaut und geerntet. © Katrin Krumpholz

Höhepunkt meiner beruflich motivierten Kohltour im Herbst 2017 war der Besuch des „Kohlosseums“ in Wesselburen. Hier zeigte mir Krautmeister Hubert Nickels, wie er sein Sauerkraut so zubereitet, dass alle gesunden Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

Überraschend für mich war dabei nicht, wie gesund das Gemüse ist, sondern – die Vielfalt der übrigen Kohlprodukte im Shop, die er entwickelte: von Shampoo und Handcreme über Bonbons und Marmelade. Die Bonbons habe ich getestet: Den Weißkohlbonbon mochte ich, den Sauerkrautbonbon nicht. 😉 Aber ein anderes Sauerkraut als das Wesselburener werde ich nicht mehr essen!

Ebenfalls als Kulturtipp ist Meldorf als Kulturstadt erwähnt (S. 58). In der einzigen Cittàslow-Stadt Schleswig-Holsteins steht der „Dom der Dithmarscher“, die Sankt-Johannis-Kirche. Hier zeigt sich das Selbstbewusstsein der Bauern ebenso wie deren Reichtum. Wenn du also noch etwas Zeit hast: Meldorf ist einen Abstecher wert.

4. Auf den Spuren des Löwen

Mächtig ragt der Ratzeburger Dom in den Himmel. © Uwe von Schirp

Mächtig ragt der Ratzeburger Dom in den Himmel. © Uwe von Schirp

Der nächste Kulturtipp führt zurück ins Herzogtum Lauenburg, auf die Ratzeburger Dom-Insel: Die Kreisstadt überragt ein „echter“ Dom. Anders als in Meldorf war der Ratzeburger Dom tatsächlich auch Bischofssitz.

Vollendet wurde die dreischiffige Basilika 1220; damit ist sie die älteste norddeutsche romanische Backsteinkirche. Gestiftet wurde der Dom von Heinrich dem Löwen, Herzog von Bayern und Sachsen. Sehenswert ist das dazugehörige Kloster mit dem Kreuzgang und seinen Freskenfragmenten. Im Innenhof kann man sich ausruhen – und eine Barlach-Skulptur bewundern.

Nicht nur die Kunst A. Paul Webers ist beeindruckend, auch das Museumsgebäude. © Uwe von Schirp

Nicht nur die Kunst A. Paul Webers ist beeindruckend, auch das Museumsgebäude. © Uwe von Schirp

Auf der Dom-Insel liegen außerdem zwei Museen: Das Kreismuseum und – ein Geheimtipp: das Museum des Künstlers A. Paul Weber. Bekannt ist Weber unter anderem für seine satirischen Tierbilder und Buchillustrationen.

Besonders beeindruckend fand ich die riesige Sammlung an teils beidseitigen genutzten Druckplatten im Keller des Hauses. Wer sich selbst als Lithograf/in versuchen möchte, kann im Rahmen eines zweitägigen Workshops an der weberschen Druckpresse im Erdgeschoss die Kunstdrucktechnik mit den schweren Steinplatten ausprobieren. Termine und Infos findest du hier.

Auf den Spuren des Löwen durch Ratzeburg. © Uwe von Schirp

Auf den Spuren des Löwen durch Ratzeburg. © Uwe von Schirp

Übrigens: Vom Dom aus führen dich orangefarbene Tatzen auf dem Boden zu den wichtigsten Plätzen und Häusern der Stadt. Ein Faltblatt mit allen Stationen erhältst du in der Tourist-Information.

5. Wenzel-Hablik-Museum

Last but not least folgt das Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe als persönlicher Kulturtipp. In der Kreisstadt Steinburgs lebte das deutsch-böhmische Multitalent ab 1907: Hablik arbeitete als Maler, Architekt, Innenarchitekt und Designer. Das Wenzel-Hablik-Museum liegt zentral in der Innenstadt; es befindet sich seit 1995 in einem denkmalgeschützten Kaufmannshaus. Das ehemalige Wohnhaus und Atelier – sein einziges realisiertes Gesamtkunstwerk – ist heute in privater Hand und daher nur an vier Terminen im Jahr für Interessierte geöffnet. Termine und Infos gibt’s unter wenzel-hablik.de.

Eines der bekanntesten Werke von Wenzel Hablik ist der „Sternenhimmel“ von 1909. © Wenzel-Hablik-Stiftung/Foto: Katrin Krumpholz

Eines der bekanntesten Werke von Wenzel Hablik ist der „Sternenhimmel“ von 1909. © Wenzel-Hablik-Stiftung/Foto: Katrin Krumpholz

Mir begegnete Wenzel Hablik erstmals im Studium im Zusammenhang mit der „Gläsernen Kette“ und ihren expressionistischen Utopien: kristalline Architektur vorzugsweise in den Bergen als Utopie zur Realität der Nachkriegszeit ab 1918. Eines seiner berühmtesten Werke ist der „Sternenhimmel“ von 1909, der im vergangenen Jahr sogar in Paris ausgestellt wurde.

Besonders beeindruckend fand ich neben der umfangreichen Stein- und Mineraliensammlung Habliks Möbel und Teppiche im ersten Obergeschoss. Letztere schuf er gemeinsam mit seiner Frau, der Webmeisterin Elisabeth Lindemann.

Und zum Schluss: Genuss

Auch ein Rezept für Altänder Apfelkuchen verrät die neue Broschüre "Kultur & Genuss in der Metropolregion Hamburg". © Katrin Krumpholz

Auch ein Rezept für Altänder Apfelkuchen verrät die neue Broschüre „Kultur & Genuss in der Metropolregion Hamburg“. © Katrin Krumpholz

Interessiert las ich die Geschichten rund ums Thema regionale Spezialitäten: Ich wusste nicht, dass der Karpfen zur Stadt Reinbek gehört wie das Marzipan zu Lübeck. Und dass die Segeberger Knicklandschaft berühmt ist für ihre wildwachsenden Brombeer-Sträucher, deren Beeren sich hervorragend zu Marmelade verarbeiten lassen. Alle Kulinarik-Tipps der Broschüre – von Büsumer Krabbensuppe über Kartoffelroulade bis Franzbrötchen – kann man nachkochen und nachbacken: Die Rezepte sind auf den Seiten 62 bis 67 beschrieben.

Die Broschüre ist erhältlich unter www.metropolregion.hamburg.de sowie in den Tourist-Informationen der Metropolregion Hamburg.

Viel Vergnügen beim Erkunden meiner Kulturtipps. Wenn du magst, schreib mir, wie sie dir gefallen haben.

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