Von Kunst zur Natur: mein beruflicher KultBlick (Blogparade)

Auf Entdeckungstour im Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg. Foto: Katrin Krumpholz

Auf Entdeckungstour im Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg. Foto: Katrin Krumpholz

Schon länger plane ich verschiedene Beiträge zu Ausflügen und Erlebnissen rund ums Thema „Kulturlandschaft“ – ein Thema, das mich seit meiner Kindheit im Prinzip mehr oder weniger bewusst begleitet, und mich bis heute begeistert. Zur Blogparade „Kultur?! Kultur! von Tanja Praske und dem Archäologischen Museum Hamburg passt daher ein Ausblick auf kommende Einzelbeiträge, aber auch der Einblick in meinen #Kultblick: Es ist nämlich noch nicht so lange her, dass ich – ganz pragmatisch – festgestellt habe, dass sich dieser und damit mein persönliches Kulturerleben in den vergangenen Jahren verändert hat. In Teil 1 erfährst du mehr über mein berufliches wie fachliches Kulturverständnis.

Rückblickend weiß ich: Es war ein schleichender Prozess, der durch meine berufliche Tätigkeit als Referentin Kulturtourismus gefördert wurde. Wie schon bei vorherigen Beiträgen zur Blogparade #KultBlick ist meiner ebenfalls nicht unbedarft. Doch – es gibt zwei verschiedene Blickwinkel auf Kultur: den beruflichen und den privaten. Beide unterscheiden sich, weil sie unterschiedliche Voraussetzungen haben und der Fokus meiner privaten Interessen anders gelagert ist.

Ein Hinweis vorab: Meine Antwort auf die Frage nach der Wahrnehmung von Kultur, von verlorenen oder wiedergefundenen Perspektiven ist – mit über 1.800 Wörtern – ziemlich lang geworden. Ich habe ihn daher geteilt. Viel Vergnügen beim Schmökern!

„Kunst ist der beste Weg, die Kultur der Welt zu begreifen.“ Pablo Picasso (1881–1973)

Einer der kulturellen Leuchttürme Schleswig-Holsteins: das Nolde-Haus in Seebüll. Mitten in der nordfriesischen Weite errichtete Emil Nolde hier sein Wohnhaus samt Atelier und Paradiesgarten. Foto: Katrin Krumpholz

Einer der kulturellen Leuchttürme Schleswig-Holsteins: das Nolde-Haus in Seebüll. Mitten in der nordfriesischen Weite errichtete Emil Nolde auf einer Warft – ein künstlich aufgeschütteter Erdhügel für Siedlungen – sein Wohnhaus samt Atelier und sein Gartenparadies. Foto: Katrin Krumpholz

Beruflich vermarkte ich Kulturangebote mit der touristischen Brille „Reiseanlass“. Das heißt: Ich beurteile Kulturangebote und -institutionen danach, ob sich dafür ein Gast aus Hessen, Bayern, NRW in sein Auto (oder in den Zug oder in den Flieger) setzt und in den „echten Norden“ reist (wo ich noch bis Ende des Jahres tätig sein werde). Zu den kulturtouristischen „Reiseanlässen“ zählen in der Regel die kulturellen Leuchttürme wie Museen, besondere Ausstellungen, (klassische) Musikfestivals und Sehenswürdigkeiten wie Gärten und Schlösser. Als Aktivitäten oder Tagesausflugsziele im Urlaub sind aber auch die Geheimtipps und Kleinode im ländlichen Raum gefragt.

In letztere Kategorie fallen häufig vor allem kleinere Einrichtungen, aber auch regionale Besonderheiten und Traditionen. Touristiker zählen hierzu auch gerne große Events wie die „Husumer Hafentage“ oder den Leeraner „Gallimarkt“. Doch damit habe ich tatsächlich Bauchschmerzen – sorry –, das zählt für mich nicht zum Kultursegment, eher zum Freizeitsektor im weitesten Sinne. (In der Tourismuswirtschaft spricht man ja auch gerne von Freizeit- und Kultureinrichtungen.) Hier liegt vermutlich auch der Hund begraben, wenn Kulturakteure die Eventisierung der Kultur kritisieren.

„Kultur ist nichts Sichtbares, sondern das unsichtbare Band, das die Dinge zusammenhält.“
Joseph Joubert (1754–1824)

Für die Image-Kampagne „Das ist Glück“ des Landes Schleswig-Holstein bin ich als „Kulturbloggerin“ für den Glücksküstenschnack unterwegs. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir meine Besuche im Elbschifffahrtsmuseum Lauenburg, in der Norddeutschen Gartenschau in Ellerhoop und meine Spurensuche im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Auf der Suche nach kulturellen Glückserlebnissen habe ich nicht nur mein Faible fürs Bloggen entdeckt, sondern ganz nebenbei auch meinen #KultBlick wiedergefunden, wie ich ihn während meines Aufbaustudiums entwickelt habe: die kulturelle Spurensuche, die Suche nach den Geschichten hinter den Dingen.

In der Künstlerszene alles andere als ein Geheimtipp: Die NordArt zählt zu den größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Toll: die weitläufigenden Hallen der ehemaligen Eisengießerei. Foto: Katrin Krumpholz

In der Künstlerszene alles andere als ein Geheimtipp: Die NordArt zählt zu den größten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst in Europa. Toll: die weitläufigenden Hallen der ehemaligen Eisengießerei. Foto: Katrin Krumpholz

Wie jeder Geisteswissenschaftler (Magister) habe ich die Uni mit jeder Menge Wissensinseln verlassen. Bis heute begeistert mich, dass diese Inseln sich mit jedem Kulturgenuss aufeinander zu bewegen. Zu einem zunehmend Ganzen werden, sich immer feingliedriger vernetzend. Immer detaillierter, ohne das große Ganze aus den Augen verlierend. Während des Studiums habe ich mich mit dem modernen Kulturbegriff im Fach Kulturmanagement beschäftigt. Die Definition der Europäischen Kommission umfasste bereits „damals“ (2000/2001) „Alltagskultur und Comics“. Für mich ist Kultur aber tatsächlich mehr – im Prinzip: alles um uns herum. Vielen ist das jedoch nicht bewusst – obschon sie Kultur im weitesten Sinne ja selbst nutzen: Filme, Kino, Comics, Computerspiele, Spiele und als touristisches Beispiel Stadtrundfahrten bzw. -rundgänge und vieles andere.

„Kultur ist, grob gesprochen, alles, was wir tun und die Affen nicht.“
Lord R. Raglan (1788–1855)

Trotz dieses weiten Kulturbegriffs und des noch weiteren Kulturangebots bin ich als Kulturmensch aber natürlich nicht an allem interessiert. Der Fokus auf die Kulturaspekte, mit denen ich mich privat beschäftige, hat sich, wie eingangs erwähnt, verändert. Im Prinzip zeigte sich das schon im Studium, insbesondere in den Nebenfächern Literaturwissenschaft und Skandinavistik: Ich lese gerne. Sehr gerne, viel und auch dicke Wälzer. Doch das Lesen in Verbindung mit dem literaturwissenschaftlich-philosophischen Theorienabklopfen machte mir nur bedingt Spaß (ich habe auch jetzt nicht wirklich Lust, den Kulturbegriff als solchen haarklein zu definieren. 😉 ). Das Analysieren der Werke verleidete mir tatsächlich das „unbedarfte Lesevergnügen“.

Lese wieder gerne, viel und auch dicke Wälzer, ohne groß zu analysieren. Foto: Katrin Krumpholz

Lese wieder gerne, viel und auch dicke Wälzer, ohne groß zu analysieren. Foto: Katrin Krumpholz

Aus der Not machte ich eine Tugend – und suchte mir für die Magisterprüfung ausschließlich Themen, die mich aus verschiedenen Gründen interessierten: Künstlernovellen, Krimiliteratur aus zwei Jahrhunderten, Werke des absurden Theaters, einen schwedischen Romantiker sowie die Klassiker Strindberg und Ibsen. Die jeweiligen Werke widerspiegelten dabei einen interessanten Zeitaspekt, zeigten gesellschaftliche Missstände auf oder gaben Epocheneinblicke.

Das ist ein wesentlicher Faktor für meinen #KultBlick: Ich muss etwas erfahren, etwas lernen, neue Aspekte auf ein Thema, eine Sache erhalten. In Sachen Literaturwissenschaft war mein Standpunkt klar: Ein Werk nur um des Werkes willen zu analysieren – war nicht meins. Ich leg(t)e Wert auf das Ganze – auf das Zusammenspiel von Werk, Autor und Zeitgeschehen. Damit war (und ist) klar: Ich bin Hermeneutikerin. Und mehr Kunst- und Kulturhistorikerin als Literaturwissenschaftlerin. 😉

Lies hier weiter, wenn du wissen möchtest, wie sich mein privater Blick auf Kultur entwickelt hat.

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6 thoughts on “Von Kunst zur Natur: mein beruflicher KultBlick (Blogparade)”

  1. Liebe Katrin,

    ein herzliches Dankeschön für deinen beruflichen #KulturBlick, der schon in Richtung Kulturdefinition geht. Ja, es ist wohl ein „Laster“ der Kunst- und Kulturhistoriker nicht mehr unbedarft auf Kulturangebote bzw. Kunst zu blicken. Es freut mich natürlich sehr, dass du für den Job nicht die Mega-Kultur-Events, die sicherlicher ziehen, in deiner „Kulturbewertung“ für den Tourismus bevorzugst, sondern nach den Kleinoden schaust. Manches Mal bedarf es aber das Mega, um die Aufmerksamkeit auf andere, nicht bekannte Kulturräume zu lenken.

    Ein sehr facettenreicher #KultBlick! Kämpfe mich jetzt zum 2. Teil vor – toll, dass du es gesplittet hast – bin sehr neugierig darauf!

    Herzlich,
    Tanja

    1. Liebe Tanja,

      lieben Dank für dein herzliches Feedback.

      Dass sich der Fokus im Kulturtourismus hin zu Kleinoden und Kultur im ländlichen Raum verlagert, hat natürlich auch mit der Entwicklung des Massentourismus zu tun. Und bei mir persönlich mit dem Entdeckenwollen, dem Blick fürs Regionale. Aber – du hast Recht: Auch das Große hat seine Berechtigung und seine Strahlkraft. So hat mich im Januar dieses Jahres das Museum Barberini mit seiner Eröffnungsausstellung beeindruckt. Genauso wie das Eisenkunstgussmuseum in Rendsburg, das für mich ein Gesamtkunstwerk ist. Darüber wird Uwe noch bloggen. Museums- und Schlössernächte zählen als Kulturevents wiederum zum Kulturangebot bzw. zu den Muss-PR-Maßnahmen von Kulturinstitutionen. Ich denke: Der Mix macht’s, die Neugier des Einzelnen. Aber eben auch der kulturelle Rahmen.

      Ich bin gespannt auf dein Feedback zu Blogbeitrag No. 2! 🙂

      Herzliche Grüße,
      Katrin

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