Sonntags im Dortmunder Stadtwald

Macht glücklich: ein Waldspaziergang am Sonntagnachmittag. Foto: Uwe von Schirp

Macht glücklich: ein Waldspaziergang am Sonntagnachmittag. Foto: Uwe von Schirp

Farne. Äste. Holzstümpfe. Totholz. Flusstal. Bachlauf. Mit anderen Worten: Wald, soweit mein Auge reicht. Ich stehe am Eingang zu Dortmunds größtem zusammenhängenden Waldgebiet: der Bittermark. Nach verschiedenen Ausflügen ins Münsterland will Uwe mir an diesem herbstlich-sonnigen Sonntag das Waldareal im Stadtbezirk Hombruch zeigen, auch Bittermärker Stadtwald genannt. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein!

Wenn Uwe davon spricht, wie grün das Ruhrgebiet und insbesondere Dortmund doch seien, dann muss ich immer etwas Schmunzeln: Als „Wald- und Wiesenkind“ aus dem nordbayerischen Frankenjura ist Natur, ist Wald und der Aufenthalt darin für mich etwas ganz anderes. Aber – ich will nicht meckern. Ich stehe in einem Wald! In Schleswig-Holstein, wo ich aktuell lebe, gibt’s davon ja auch nicht so viel.

Der Herbst hinterlässt erste Spuren

Pilze erobern treppenförmig den Baumstumpf. Foto: Katrin Krumpholz

Pilze erobern treppenförmig den Baumstumpf. Foto: Katrin Krumpholz

Nachdem wir eine der zwei Haupttangenten – einen Jakobsweg – verlassen, sind wir ungestörter. Wir lassen eine Wandergruppe hinter uns, ebenso das Gebell von zwei sich begegnenden Hunden. Wir laufen einen Hang hinauf, ich bestaune die zahlreichen Stechapfel-Sträucher. Fast urwaldartig wuchern sie zwischen den riesigen Buchen und Eichen. Auf dem Boden liegen die ersten welken Blätter und zahlreiche Eicheln – ein paar stecke ich ein. Herbstdeko. Nach dem Regentag am Samstag riecht es etwas feucht und nach Pilzen. Die Wege sind teilweise matschig. Aber bei mir stellt sich tatsächlich sowas wie Waldgefühl ein.

Das Gelände ist vergleichsweise hügelig und streckenweise steil. Hinter der A45 und nicht mehr weit liegt der höchste Punkt Dortmunds, mit rund 254 Metern überm Meeresspiegel: der Klusenberg am Hengsteysee.

Schön: Die Herbstsonne durchflutet den Bittermärker Buchenwald. Foto: Uwe von Schirp

Schön: Die Herbstsonne durchflutet den Bittermärker Buchenwald. Foto: Uwe von Schirp

Neben Wanderern, Hundebesitzern mit ein bis drei Hunden und Joggern begegnen uns viele Mountainbiker. „Mancher matschige Weg bietet heute besonders viel Fahrspaß und ‚Wildnisfeeling‘“, denke ich. Ich selbst komme bei den ungewohnten Steigungen etwas ins Schnaufen, ich bin das „Bergsteigen“ nicht mehr gewohnt; schließlich ist auch das Mangelware im Norden: Berge.

Später lese ich, dass wir auf dem langgestreckten Höhenzug des Ardeygebirges spazieren gingen. Meine Quelle: das Heimatbuch für Dortmund aus dem Jahr 1966, bearbeitet und herausgegeben vom Arbeitskreis für Heimatkunde. Darin steht auch, dass der Europäische Stechapfel in deutschen Wäldern selten ist. Dass er bis zu 300 Jahre alt wird, ist mir ebenfalls neu.

Spannend und gefährlich: Tagesbrüche

Hinweistafel zur Geschichte des Flözabbaus in der Bittermark. Foto: Katrin Krumpholz

Hinweistafel zur Geschichte des Flözabbaus in der Bittermark. Foto: Katrin Krumpholz

Apropos alt: Im 18. und 19. Jahrhundert war das Waldareal jedoch noch sehr viel größer als heute. Mit Beginn des frühen Bergbaus wurde einiges an Waldfläche gerodet. Den Flöz baute man direkt unter der Erdoberfläche ab. Dass hier mitten im Wald im 20. Jahrhundert nahe der heutigen „Sauerlandlinie“ eine Zeche gestanden haben soll, ist für mich schwer vorstellbar. Aber auch für Wohnsiedlungen wurde der Wald abgeholzt. Heute ist das Gelände Naturschutzgebiet und mit seinen rund 360 Hektar Fläche ein beliebtes Naherholungsgebiet im Dortmunder Süden.

Da ich es gewohnt bin, im Wald querbeet zu laufen, würde ich das hier natürlich auch gerne tun – rauf, runter und einfach schauen, was es zu entdecken gibt. Eine Infotafel warnt jedoch vor dem Verlassen der Wege: Es besteht die Gefahr von „Tagesbrüchen“. Die schöne, gewellte Bodenformation, die mich wie magisch anzieht, stammt aus der Zeit des Flöz-Tagebaus. Das finde ich schade, aber auch spannend – sofort denke ich daran, dass das Areal der ideale Schauplatz für einen Dortmund-Krimi wäre! Gebe es schon, weiß Uwe. „Na klar“, denke ich, und begnüge mich mit den ausgewiesenen Wegen und erkennbaren Trampelpfaden und genieße die Stille des Waldes, wo es möglich ist.

Beeindruckender Blick von unten auf die "Sauerlandlinie". Foto: Katrin Krumpholz

Beeindruckender Blick von unten auf die „Sauerlandlinie“. Foto: Katrin Krumpholz

So laut und störend, so imposant ist der Blick auf die Autobahnbrücke der A45 von unten. Schon gefühlte 200 Meter weiter auf der Nordhälfte der Bittermark ist die Autobahn beinahe nicht mehr zu hören. Erstaunlich. Neben dem Stadtbezirks-Radweg Hombruch laufen wir auch stückweise auf der Dortmund Radtour Südwest. Wem also der Bittermärker Stadtwald an Radkilometern nicht reicht, folgt einfach den ausgeschilderten Radrouten durch die Stadt und weiterführenden Routen durchs Ruhrgebiet. Dank der Kulturhauptstadt 2010 seien diese gut ausgebaut, erzählt Uwe, sie würden außerdem auch weiterentwickelt. Davon werde ich mich dann bei anderer Gelegenheit überzeugen. 😉

Waldbachidylle zum Schluss

Seerosenidyll trotz Schlammsuppe: der kleine Grubensee. Foto: Uwe von Schirp

Seerosenidyll trotz Schlammsuppe: der kleine Grubensee. Foto: Uwe von Schirp

Am Mahnmal zum Gedenken an Widerstandskämpfer und Zwangsarbeiter kommen wir bei unserem Rundgang nicht vorbei, aber an einem kleinen See, der in Uwes Erinnerung türkisfarben gewesen ist. Leider hat der Regen auch hier seine Spuren hinterlassen: Die Seerosen schwimmen in der vom Regen aufgewühlten Schlammsuppe.

Fast am Fuße des Berges stoßen wir auf einen kleinen Bachlauf, den Bittermärker Bach, dem wir bis zum Ausgang folgen. Beim Blick auf die Uhr staune ich – rund zwei Stunden sind wir kreuz und quer durch den Wald gelaufen, haben dabei gar nicht alles gesehen. Auch, wenn es nicht immer ganz Naturerlebnis pur war, so war es trotzdem ein erholsamer, und lehrreicher, Sonntagsspaziergang durch den Bittermärker Stadtforst. Prädikat: gerne wieder!

Waldbachidylle im Bittermarker Stadtforst. Foto: Uwe von Schirp

Waldbachidylle im Bittermarker Stadtforst. Foto: Uwe von Schirp

Tipps für euren Besuch: Die Bittermark ist öffentlich zugänglich und mit dem Bus gut erreichbar, bis Haltestelle Wohnstift Augustinum (Bus 447) oder Wichlinghofen (Bus 442). An der Seniorenresidenz Augustinum gibt es einen öffentlichen Parkplatz (Adresse: Kirchhörder Str. 101, 44229 Dortmund).

PS: Meine Recherche ergab übrigens folgenden Treffer – „Die Tote in der Bittermark. Ein Dortmund-Krimi“ vom Autorinnen-Team Hiltrud Aßhoff, Ruth Conrad, Hildegard Ebner, Helga Rinke, Margret Thomas und Christiane Havemann. Der Krimi ist bei Interesse über Amazon gebraucht erhältlich.

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