Warum ich als Kulturtouristikerin an der MuseumWeek teilnahm

Dieses Schild sagt: „Radfahrer im Museum willkommen“ (#SportsMW). Foto: Katrin Krumpholz

Zugegeben, meine Entscheidung mich an der #MuseumWeek zu beteiligen, traf ich recht spontan: am Montagmorgen, als die ersten Tweets durch meine Timeline liefen. Spontan aus dem Bauch heraus überlegte ich, was ich zu den einzelnen Hashtags posten könnte, und skribbelte einen groben Fahrplan. Gepostet habe ich auf meinem privaten Account, über den ich aber auch berufliche Infos teile. Twitter ist neben Instagram mein Lieblings-Social-Medium; ich mag die Herausforderung der kurzen Würze von 140 Zeichen.

Seit dem Frühjahr 2015 bin ich für das kulturtouristische Marketing des Landes Schleswig-Holsteins zuständig. Zu meinen Aufgaben gehört das Einbinden von Kulturthemen in das Landesmarketing unter dem Dach der landesweiten „Glückskampagne“, insbesondere im Onlinemarketing: Ich platziere Sehenswürdigkeiten, Ausflugstipps und Kulturveranstaltungen im Redaktionsplan und liefere den entsprechenden Content zu. Die Museen bilden eine der Säulen des schleswig-holsteinischen Kulturtourismus – insgesamt sind es 240 an der Zahl. „Mein Baby“ ist die Broschüre „Kultur erleben in Schleswig-Holstein“, die als Online-PDF und Blätterkatalog zur Verfügung steht.

In diesem Jahr fand ich die Hashtags rund ums Thema Lifestyle interessant – denn das gehört gerade aus kulturtouristischer Sicht zu einem Museumsbesuch dazu: ein Café-Besuch und das „Shopping im Museumsshop“. Ich gebe zu, der eine und andere Hashtag war auch eine kleine Herausforderung, aber es hat mir großen Spaß gemacht, mich zu beteiligen und mich von anderen Posts inspirieren zu lassen. Langes Schreiben, kurzer Sinn – seht selbst:

Montag: #foodMW

Gerade zurück aus Essen vom Städte- und Kulturforum des Deutschen Tourismusverbandes, war ich sehr begeistert vom Ambiente der Zeche Zollverein. Für Industriekultur und den „vergänglichen Charme“ ehemaliger Industrieanlagen habe ich schon seit ich denken kann, eine Schwäche. Vor allem aus architekturfotografischer Sicht. Das Programm des Städte- und Kulturforums war natürlich eng gestrickt, so dass nur kurz Zeit blieb, das Besucherzentrum der Weltkulturerbestätte zu besichtigen. Meine Wahl für Tag 1: das schicke, reduzierte Ambiente des Cafés Kohlenwäsche:

Dienstag: #sportsMW

Schon schwieriger war das Thema von Tag 2. Schleswig-Holstein und Sport – mal abgesehen, von Wassersport, Segeln etc. Schifffahrt!? Im Land gibt es immerhin vier sehenswerte Schifffahrtsmuseen, allerdings nur eines, in dem man sich auch etwas sportlich betätigen kann: im Elbschifffahrtsmuseum in Lauenburg.

Bei meinem Besuch im Sommer 2015 strampelte ich nicht nur den Kaloriengehalt eines Schokoladeriegels ab, sondern maß mich auch, viel wichtiger, mit der Stärke eines Pferdes. Puh.

Mittwoch: #musicMW

Musik – Schleswig-Holstein ist ein Land mit vielen großen und kleinen Festivals sowie Konzertreihen. International berühmt sind das Schleswig-Holstein Musik Festival, aber auch die Raritäten der Klaviermusik im Schloss vor Husum. Museen sind als Konzertorte auch im echten Norden beliebt: So finden Konzerte des SHMF beispielsweise im Museum Kunst der Westküste auf Föhr statt. Für meinen „daily post“ entschied ich mich jedoch für das nördlichste Musikermuseum Deutschlands, das Brahms-Haus, ein Kleinod in Heide:

Donnerstag: #storiesMW

Geschichten sind das Thema von Tag 4 – und dazu wären viele Posts denkbar gewesen. Daher blieb es nicht bei einem, denn „aller guten Dinge sind drei“. Die drei Häuser erzählen Geschichten – und machen Lust, Geschichte(n) selbst zu entdecken!

Obwohl der Hashtag womenMW für die gesamte Woche galt, habe ich ihn nur einmal in Verbindung mit der Unternehmerin Käte Ahlmann genutzt: eine beeindruckende Frau, die nicht nur das größte Stahlwerk in Schleswig-Holstein leitete, sondern nebenbei Gussobjekte sammelte. Diese Sammlung übergab sie kurz vor ihrem Tod dem Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf, das sie selbst 1963 gründete. Dieses Museum ist absolut sehenswert – ein Gesamtkunstwerk aus 1960er Jahre Architektur, minimalistischer Ausstattung und modernstem Ausstellungskonzept.

Freitag: #booksMW

“A room without books is like a body without a soul.”, heißt es in der offiziellen Hashtag-Erklärung der MuseumWeek. Die beiden Posts zum Günter-Grass-Haus und im Buddenbrookhaus sind auch mit dem Freitags-Hashtag versehen: In den beiden Häusern, die die Werke der Nobelpreisträger Günter Grass und Thomas Mann behandeln, dreht sich alles um Bücher und Literatur. Gemäß dem obigen Zitat wählte ich für Tag 5 ergänzend eine kleine, feine Bibliothek, die eigens für Museumsgäste eingerichtet wurde: Im Künstlermuseum Heikendorf können Kunstinteressierte gemütlich im Sessel sitzen und in Kunstbüchern stöbern, um noch mehr über die Kunst und Künstler des Hauses zu erfahren!

Samstag: #travelsMW

Das ist eigentlich DER Hashtag für Kulturtouristiker! 😉 Und eine kleine Nuss, die es zu knacken galt. Von der Ausstellung „Nolde in der Südsee“ über die Antikensammlung der Kunsthalle Kiel bis zum kolonialen Erbe Flensburgs hätte hier einiges seinen berechtigten Platz gehabt. Am Ende fiel meine Wahl auf selbst gezeichnete Reiseskizzen.

Die Skizzen fertige ich im Archäologischen Museum in Syrakus, Sizilien an. Die Zeichnungen sind auch ein Beleg dafür, wie nachhaltig ein Museumsbesuch wirken kann! Die Inspiration zu diesem Post erhielt ich durch den nachfolgenden der Klassik Stiftung Weimar:

Und das Finale?

Am letzten Tag der #museumweek habe ich zum ersten Mal an einer Regattabegleitfahrt zur Kieler Woche teilgenommen. Allerdings habe ich das Handy zuhause gelassen – und nach mehreren Stunden auf der Ostsee ganz gechillt vergessen, zum #heritageMW etwas zu posten. Ausgerechnet! Denn nicht nur, dass das Europäische Kulturerbejahr seine Schatten längst voraus wirft: Vor kurzem nahm ich an einer Tagung in Stettin zum Thema „Europäische Kulturrouten“ teil, die sehr inspirierend war. (Wusstet ihr beispielsweise, dass die erste zertifizierte Europäische Kulturroute der Jakobsweg ist?)

Zur Tagung gab es ein kulturelles Rahmenprogramm, wie den Besuch des Dialogzentrums Umbrüche, das zum Nationalmuseum der Hansestadt gehört. Das Museum und seine Ausstellung haben mich stark nachhaltig beeindruckt. So sehr, dass ich dazu noch einen eigenen Blogbeitrag verfassen möchte. Den angedachten Post auf Twitter unter #heritageMW am Sonntagabend habe ich übers Regattenbestaunen aber schlichtweg „vergessen“. 🙁

Unterhalten und begeistert hat mich im Laufe der MuseumWeek die Vielfalt der Posts und Bilder, mit der Museen ihre Sammlungen präsentierten. Angetan war ich insbesondere von den historischen Fotografien, die es unter #sportsMW zu entdecken gab, wie dieser hier:

Soweit ich sehen konnte, beteiligte sich keines der schleswig-holsteinischen Museen an der diesjährigen #MuseumWeek. Viele der schleswig-holsteinischen Kulturpartner sind mindestens auf Facebook aktiv, hingegen nur wenige auf Twitter oder Instagram. Die Gründe hierfür sind vermutlich die „üblichen Verdächtigen“ im Kulturbereich: fehlende personelle und zeitliche Ressourcen. Warum sich die Teilnahme an der #MuseumWeek aber für Museen lohnt, haben die Kolleginnen der Burg Posterstein zusammengefasst:

 

Während des Artedutalks (ein Twittergespräch für digitale Kulturvermittlung, #artedutalk) zur MuseumWeek, fiel mir außerdem auf, dass ich keinen kulturtouristischen Akteur in meiner Timeline wahrgenommen habe. Also, keinen Touristiker einer Kulturdestination oder eine Kulturdestination. Vielleicht befrage ich dazu mal ein paar KollegInnen? Ich persönlich freue mich schon auf die nächste Runde 2018 – und die Teilnahme im nächsten Jahr. Besser vorbereitet. Versprochen. 😉

Die MuseumWeek 2017 brachte in diesem Jahr übrigens mehr als 1,7 Millionen Nachrichten hervor!

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2 thoughts on “Warum ich als Kulturtouristikerin an der MuseumWeek teilnahm”

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