Mein Traum vom Segeln im Mittelmeer – Teil 4: Ibiza

Unterhalb der Burg Almudaina wachsen wilder Rosmarin, Salbei und Wacholder. Foto: Katrin Krumpholz

Unterhalb der Burg Almudaina wachsen wilder Rosmarin, Salbei und Wacholder. Foto: Katrin Krumpholz

Nach unserem Abendessen in einer Tapas-Bar und einem ersten Rundgang durch die Altstadt freue mich, Ibiza Stadt und den berühmten Insel-Spirit zu erkunden. Partyinsel. Hippie-Insel. Mondän. Bunt. Verrückt. Viele Begriffe stehen synonym für Ibiza. Doch zunächst wartet ein tolles Frühstück an Deck auf mich – es ist bereits gedeckt!

Es ist auf dieser Reise das erste Mal, dass wir zusammen an Deck frühstücken. Die Sonne scheint, es ist um die 20 Grad warm. Daran könnte ich mich gewöhnen! Das ist Urlaub pur. Beim Frühstück wird allerdings auch besprochen, wie die Reise weitergehen soll. Laut Törnbeschreibung des Reiseveranstalters sind Formentera und Cabrera mögliche Törnziele. Das ist, wie ich jetzt erlebe, nicht in Stein gemeißelt, die Crew entscheidet demokratisch, mehrheitlich, wie die Reise verläuft.

Daran könnte ich mich gewöhnen: Frühstück an Deck. Foto: Katrin Krumpholz

Wie im ersten Beitrag erwähnt, gehen die Wünsche und Erwartungen sehr weit auseinander. Das Paar möchte unbedingt weiter nach Mallorca. Der Co-Skipper hingegen hat keine Lust auf Vor-Anker-Gehen und Ankerwache. Es gibt eine Enthaltung – und mich, die auf einer Inselumrundung besteht. Am Ende der Diskussion stehen zwei Tage Mallorca-Aufenthalt fest, inklusive Segeltörn um die Insel herum.

Dass außer mir keiner zu den beiden kleineren Inseln segeln will, finde ich sehr schade. Die Vielfalt der Etappenziele war ein Grund, weshalb ich mich für diesen Mittelmeertörn entschieden habe. Ich denke kurzzeitig an eine Tagestour nach Formentera mit der Fähre, die nur eine halbe Stunde je Fahrt benötigt. Aber in diesem Fall sähe ich von Ibiza nichts: Das Auslaufen ist für späten Nachmittag geplant. Also, bleibt’s bei dem Tag in Ibiza Stadt. Basta. Einmal tief einatmen, positiv denken – los geht’s mit dem Wassertaxi in die Stadt.

Ein Spaziergang durch das UNESCO-Weltkulturerbe Dalt Vila

Ich mag die entspannte Stimmung in den Gassen und die Freundlichkeit der Einheimischen. Insbesondere letztere spricht für einen besonderen Spirit: Denn obwohl Ibiza von Touristen überlaufen ist, bleiben die Bewohner freundlich, entspannt – und nehmen sich die Zeit für einen Plausch. Auf dem Weg zur Altstadt Dalt Vila – die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt – kommen wir an den Markthallen vorbei. Auf dem Rückweg werden wir hier noch Obst und Gemüse für die nächste Etappe einkaufen, u. a. Nisperos, eine Pflaumenart, die in Deutschland kaum bekannt ist. In Dalt Villa schlendern wir gemütlich frei Schnauze die bergigen Gassen in Richtung Burg hinauf. Nicht ohne jeden zweiten Meter stehen zu bleiben, um Fotos zu schießen. Es gibt unendlich viele Details an den Häusern zu entdecken, ob Türknäufe, Stukkaturen, Balkone oder grüne Oasen.

Blick vom historischen Stadttor Portal de Ses Taules in Richtung Markthalle. Foto: Katrin Krumpholz

Blick vom historischen Stadttor Portal de Ses Taules in Richtung Markthalle. Foto: Katrin Krumpholz

Oben angekommen, schaue ich mir die Kathedrale Santa Maria de las Nieves an. Die Kirche ist der Schutzheiligen der Insel gewidmet, der Heiligen Maria vom Schnee. Ein interessanter Name für etwas, was es auf Ibiza vermutlich nicht oder nur sehr selten zu sehen gibt. Im Innern faszinieren mich der vergleichsweise kleine, freistehende Altar, ein Monopteros, und die zahlreichen kleinen Kapellen und Apsiden. In der Mitte des Rundtempels steht eine Marienskulptur mit dem Jesuskind. Der Kirchenraum strahlt eine besondere Ruhe aus. Gerne würde ich noch etwas bleiben, doch draußen warten meine beiden Begleiter auf mich.

Sommeridylle mit Palme - das Burggelände Almudaina. Foto: Katrin Krumpholz

Sommeridylle mit Palme – das Burggelände Almudaina. Foto: Katrin Krumpholz

Zu dritt genießen wir den Blick von der Aussichtsplattform – auf den Hafen und die Hotelburgen hinter dem Burgberg. Tangoklänge ziehen aus den Katakomben zu uns. Allerdings handelt es sich „nur“ um einen Fußgängertunnel, wie es sie zahlreich in der Altstadt geben soll. Dass die UNESCO-Welterbe gekürten Nekropolen im Rahmen von Führungen zu besichtigen sind, erfahren wir später durch ein entsprechendes Hinweisschild. Vielleicht ein Tipp für den nächsten Ibiza-Aufenthalt. Auf dem Weg ins zauberhafte Gassengewirr zurück kommen wir an wildem Rosmarin und Salbei vorbei. Nicht, ohne beides zu pflücken. Für den hustenden Skipper gibt der Salbei einen guten Tee, den Rosmarin nutzen wir als Kartoffelgewürz.

Shopping!

Nach einem schnellen Kaffee geht es weiter, vorbei an Cafés, Restaurants und Shops. Häkelklamotten, Leinenhosen, bedruckte T-Shirts, Schuhe, Nippes. Ausgefallenes, Exotisches, Altbekanntes – die Auswahl an Shoppingmöglichkeiten und „Ibiza Styles“ ist wirklich beeindruckend. Unterhalb des Burgareals entdecke ich eine Reihe von gewebten Schals, die alle toll aussehen. Ich kann mich nicht entscheiden, und probiere verschiedene Schals an. Meine Wahl fällt am Ende auf einen Rosafarbenen mit weiß-blauen Streifen.

Bereits bei unserem abendlichen Schaufensterbummel habe ich mich verliebt: in die Tuniken einer dänischen Designerin. Das Besondere an ihnen: Sie sind aus Palästinenser-Tüchern genäht. Ich mag besondere Einzelstücke, die man in Deutschland nicht unbedingt findet, zumindest nicht in der Masse. Daher steuern wir zielstrebig „Marney & Me“ an – damit ich eine der Tuniken probieren kann.

Bei "Marney & Me" begeistern mich die Tuniken aus Pali-Tüchern. Foto: Katrin Krumpholz

Bei „Marney & Me“ begeistern mich die Tuniken aus Pali-Tüchern. Foto: Katrin Krumpholz

Leider stellt sich heraus, dass die Modelle in Unisize genäht sind. Mein favorisiertes Modell sieht an mir daher leider aus wie ein Sack. Schade! Ohne Einkaufstasche verlassen wir den stylischen Laden und dessen Besitzer und bummeln weiter. Die Zeit vergeht viel zu schnell – und wir kehren zurück zum Hafen.

Marina Botafoch: tolle Lage mit Aussicht, tolle Yachten. Foto: Katrin Krumpholz

Gegen 17 Uhr wollen wir auslaufen. Trotz unterschiedlicher Wettervorhersagen. Ich habe diese Wetterdiskussion nur am Rande mitverfolgt. „Ein Skipper mit 40 Jahren Segelerfahrung wird schon wissen, was er tut,“ vertraute ich zuversichtlich. Hätte ich allerdings geahnt, was dann auf uns zukommt, ich hätte unnachgiebig insistiert, eine Nacht auf Ibiza zu verlängern. Um es kurz zu machen: Einen Abend später legten wir wieder in der Marina Botafoch an. Was war passiert?

Ein Glück: Ich bin seetauglich

Wir sind in einen schweren Sturm gesegelt. Zu Beginn verabschiedet uns ein traumhafter Sonnenuntergang. Bei kaum Wind, aber leichtem Wellengang laufen wir aus. Doch der Wind wird im Laufe des Abends stärker. Als ich gegen 2 Uhr morgens meinen Wachdienst antrete, segeln wir bereits eine ganze Weile ziemlich schnell. Später erfahre ich, dass die Windstärke bei sechs Beaufort lag. Nach Ende meiner Schicht bleibe ich an Bord – an Ausruhen war bei diesem Tempo nicht zu denken. Außerdem begeistert mich das Meeresleuchten. Das seltene Naturschauspiel habe ich bislang nur einmal in Nordfriesland vor der Hamburger Hallig gesehen.

Irritierend ist, dass wir irgendwann Mallorca sehen können. Aber scheinbar daran vorbeisegeln, in Richtung Barcelona. Der Wind war und blieb so stark, dass wir die berühmte Baleareninsel trotz mehrerer Wenden (Halsen) nicht anlaufen konnten. Bei grauem Tageslicht, meterhohen Wellen und arg in Schieflage segelndem Schiff frage ich schließlich, wann wir anlegen. Es kommt mir Spanisch vor, dass wir kein Land mehr sehen. Zu recht! Denn zu diesem Zeitpunkt sind wir bereits auf dem Rückweg nach Ibiza. Und das heißt: mindestens noch einmal sechs Stunden auf offener See. Die Windstärke liegt im Schnitt bei 30 bis 40 Knoten, die Wellen kommen gefühlt von allen Seiten. Dazwischen gibt es Orkanböen bis zu 50 Knoten. Später wird der Skipper sagen, er hätte so etwas noch nie erlebt.

Ibiza verabschiedete uns zunächst mit einem herrlichen Sonnenuntergang. Foto: Katrin Krumpholz

Woran ich währenddessen dachte? Dass ich das niemals adäquat beschreiben kann. Dass Segeln auf der Ostsee vermutlich wesentlich unspektakulärer ist. Dass ich Lust hätte, an einem Volvo Ocean Race teilzunehmen, wäre ich etwas besser durchtrainiert. Der Besuch des Museums in Alicante war jedenfalls eine gute Vorbereitung, stellte ich am Ende der Reise lakonisch fest. Dass ich wind- und wetterfest bin.

Beim Segeln gibt es eine Menge Unbekannten – aber je nach Segelrevier sind diese mehr oder weniger überraschend. Außerdem war es Frühjahr – und das Aprilwetter macht auch gerne mal, was es will. In der Karibik kann man laut unserem Co-Skipper entspannt von Bucht zu Bucht segeln, schwimmen und schnorcheln gehen. Aus Seglersicht erscheint es zwar wenig anspruchsvoll – aber ein Karibik-Törn bietet offensichtlich Bacardi-Urlaubsfeeling pur. Vielleicht buche ich das beim nächsten Mal. 😉

Hola Ibiza – wir sind wieder zurück!

Zurück im sicheren Hafen Botafoch heißt es: heiße Dusche, heißer Tee, leckeres Abendessen. Zum Glücklichsein braucht’s nicht viel. 😉 Da im Sturm ein Segel gerissen war, blieb das Schiff einen Tag auf Ibiza. Allerdings hatte die Crew – also wir – keine Lust mehr, auf den letzten Drücker nach Mallorca zu segeln. Nicht alle hätten rechtzeitig ihre Flieger nach Hause erreicht. Daher entschieden alle, bis zum Abreisetag auf Ibiza – in einem Hotel – zu bleiben, um dann rechtzeitig per Inselhopper nach Palma und von dort nach Hause zu fliegen. So hatten wir nach einem wunderschönen Bummeltag noch einen weiteren Tag auf der inspirierenden Insel. Neben den oben genannten Tipps haben wir weitere Läden unsicher gemacht, Cafés getestet und die mediterrane Stimmung genossen. Ich habe meine erste Gazpacho gegessen und die sauerste, selbstgemachte Zitronenlimonade meines Lebens getrunken.

Lecker: meine erste Gazpacho mit Brotchips. Foto: Katrin Krumpholz

Wehmütig reise ich am Samstag ab. Ibiza hat`s mir angetan! Ich möchte in jedem Fall wiederkommen, auch, um mehr von der Insel und seiner Landschaft zu sehen. Und auch mit dem Segeln geht’s weiter – ab Juli werde ich einen Jollenkurs machen, und die Segelbasics von der Picke auf lernen. Mein Ziel: der SKS-Schein, um Jachten selbst mieten und segeln zu können. Mit Freunden, Bekannten und Gleichgesinnten. 😉

Damit ist meine Berichterstattung über meinen Traum vom Segeln im Mittelmeer am Ende angelangt. Du möchtest mehr über die Segelreise erfahren? Dann empfehle ich dir die anderen drei Beiträge: In Teil 1 erfährst du, warum Alicante der ideale Startpunkt für eine Segelreise ist. In Teil 2 erkunde ich die Hafenstadt Villajoyosa und erläutere, warum diese Stadt glücklich macht. Teil 3 beschreibt meine erste Nachtfahrt – und meinen ersten besonderen Segelmoment.

Hier in Dalt Vila lässt es sich herrlich chillen. Foto: Katrin Krumpholz

 

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