Mein Traum vom Segeln im Mittelmeer – Teil 1: Alicante.

Blick auf die Marina von Alicante. Foto: Katrin Krumpholz

Blick auf die Marina von Alicante. Foto: Katrin Krumpholz

Schon lange träume ich davon, eine Woche lang auf dem Mittelmeer zu segeln. Korsika, Sardinien, Balearen – Anlaufziele gäbe es viele. Meine Wahl fällt – auch aus zeitlichen Gründen ­– auf einen einwöchigen Meilentörn von Alicante nach Mallorca. Meine bisherigen Segelerfahrungen fallen unter das, was echte Segler als „Schönwettersegeln“ bezeichnen: Als angehende Studentin segelte ich mal auf der Kieler Förde mit einer 14-Meter-Yacht bei Sonnenschein und mäßigem Wind mit. Später waren es Ausflugsegler wie die Mercedes, mit denen ich auf Tagestörn unterwegs war.

Zu der Vorfreude auf meinen ersten Spanientrip und dem Reisefieber gesellen sich aber natürlich auch zweiflerische Fragen. Schließlich gibt es einige Unbekannte bei einer Segelreise: „Bin ich überhaupt seetauglich?“, „Wie wird das Wetter?“, „Habe ich Glück mit den Mitreisenden?“ Doch mehr als das beschäftigte mich die Wahl der richtigen Kleidung! Frieren an Bord sollte keine Option sein, stattdessen klug gewählter Lagenlook. Gut ausgestattet mit allem, was meine Recherchen zu Segeltörns, Segelkleidung und die Packliste des Veranstalters hergeben, flog ich von Hamburg nach Alicante; einen Tag vor offiziellem Törnbeginn. Dadurch war ein Tag Zeit, um die spanische Hafenstadt zu erkunden und mich auf den Urlaub einzustimmen.

Alicante. Seit 2008 ist die spanische Mittelmeerstadt an der Costa Blanca Startort für das Volvo Ocean Race, das neunmonatige Wettkampfsegelevent um die Welt. Volvo Ocean Race – ist es wirklich schon 15 Jahre her, dass einmalig in der Geschichte der Regatta die letzte Etappe eines Rennens in Kiel endete? Damals gewann dazu die „illbruck“, eine Yacht, die unter deutscher Flagge gestartet war. Also, ein idealer Startpunkt für meine erste Segelreise. Da ich Orte am Liebsten zu Fuß und spontan erkunde, habe ich mich nicht groß vorbereitet. Ich liebe es, einfach loszulaufen und mich treiben zu lassen, kreuz und quer durch die Stadt zu laufen und mich überraschen zu lassen. Ein bisschen in der Tradition der einstigen Seefahrer, die es auf ihren mehrmonatigen Reisen oft auch ins Ungewisse führte. Allein der Besuch des 2012 eröffneten Museo Volvo Ocean Race ist fest eingeplant.

Ein Spaziergang durch das Zentrum von Alicante

Bevor ich das Museum besichtigte, führt mich mein erster Spaziergang jedoch zur nahegelegenen Festung Castillo de Santa Bárbara, circa zehn Minuten Fußweg vom Hotel entfernt. Ich will erstmal einen Eindruck von der Stadt bekommen. In 169 Metern Höhe liegt das Castillo auf dem Berg Benacantil, das seit dem 10. Jahrhundert in mehreren Bauetappen weiterentwickelt wurde. Ihr heutiges wehrhaftes Aussehen und ihre Größe erhielt die Anlage im 18. Jahrhundert. Neben der typischen Festungsarchitektur begeistert mich vor allem die vielseitige Flora auf dem Burggelände – ausgewachsene Aloe-Pflanzen, die in den blauen Himmel ragen, riesige Kakteen verschiedenster Sorten und wunderbare Blüten in kräftigen Farben.

Die Festungsanlage Santa Barbara bietet nicht nur einen tollen Ausblick über Alicante, sondern auch schattige Plätzchen zum Ausruhen. Foto: Katrin Krumpholz

Die Festungsanlage Santa Barbara bietet nicht nur einen tollen Ausblick über Alicante, sondern auch schattige Plätzchen zum Ausruhen. Foto: Katrin Krumpholz

Ein bisschen fühle ich mich wie die Reisebotaniker, die einst die Entdeckungs- und Handelsfahrten nach Asien und Amerika sowie ihre botanischen Funde grafisch dokumentierten. Bücher wie „Die Entdeckung der Langsamkeit“ oder „Alexander von Humboldt. Die Erfindung der Natur“ gehören zu meinen Lieblingsbüchern – das Reisen und Entdecken wie Erforschen des Unbekannten fasziniert mich. Im Schatten von Palmen und Kiefern genieße ich die Ruhe und den mediterranen Duft. Der Wind, der vom Meer her bläst, ist angenehm kühl. Der Blick von hier oben ist fantastisch und reicht über die Marina und Alicantes Zentrum bis zu den Bergen im Nordosten der Stadt.

Wunderschön: der blühene Feigenkaktus auf dem Burggelände in Alicante. Foto: Katrin Krumpholz

Wunderschön: der blühene Feigenkaktus auf dem Burggelände in Alicante. Foto: Katrin Krumpholz

Wie Hans-guck-in-Luft spaziere ich nach einem kurzen Abendessen im Hotel dann staunend durch die Palmengesäumten Prachtstraßen und erkunde architektonische Besonderheiten, beobachte Einwohner wie Besucher und entdecke touristische Angebote, die mir gefallen, wie die Shopping-Themen-Routen durch Alicante: An den Zeitungskiosken weisen Werbeplakate darauf hin. Via QR-Code lassen sie sich herunterladen. Fürs Shoppen bleibt mir leider keine Zeit – aber vielleicht komme ich ja nochmal wieder nach Alicante? Meine Segelschuhe hätten mich hier jedenfalls nur die Hälfte gekostet!

Die Fassade dieses Wohnhauses am Plaza los Luceros ist mit rotchargierenden Fliesen verkleidet. Foto: Katrin Krumpholz

Die Fassade dieses Wohnhauses am Plaza los Luceros ist mit rotchargierenden Fliesen verkleidet. Foto: Katrin Krumpholz

Das Wohnhaus am Plaza los Luceros in Alicante erinnert an die 1960er Jahre.

Das Wohnhaus am Plaza los Luceros in Alicante erinnert mich ein wenig an den Ikea-Style der vergangenen Jahre.

Als Touristiker ist man einfach kein normaler Tourist – irgendwas fällt einem immer auf! Wie der Rollstuhllift mitten auf dem Burggelände: Rollstuhlfahrende Einheimische und Touristen erreichen so das Restaurant im oberen Burghof. Als studierte Kunsthistorikerin und Architekturfan habe ich wieder einen anderen Blick: Der bleibt an faszinierenden Wohnhäusern hängen, an den Baulücken und Einblicken in die Innenhöfe zwischen den teils 14- bis 20-geschossigen Häusern. Wenige wirklich hohe Hochhäuser überragen das Zentrum – fasziniert betrachte ich die Balkon- und Fensterreihen. Interessante Stile oder Details wie Fassadenverkleidungen fallen mir ins Auge.

Foto: Katrin Krumpholz

Foto: Katrin Krumpholz

Ebenso begeistern mich die Natursteinfliesen der Promenaden, die vor allem maritim gestaltet sind, sowie das bunte, quirlige Treiben auf den Straßen und in den Tapas Bars wie Restaurants, die milde Luft (17 Grad) – und die Palmen. An der Marina verweile ich und genieße den wunderbaren Sonnenuntergang, der sich im Wasser und den wenigen Wolken spiegelt. Ein schöner Start in den Urlaub.

250 Jahre Seefahrtsgeschichte an einem Tag

Liegt prominent auf einer Verkehrsinsel gegenüber des Playa del Postiguet: die Racingyacht "Black Pearl". Foto: Katrin Krumpholz

Liegt prominent auf einer Verkehrsinsel gegenüber des Playa del Postiguet: die Racingyacht „Black Pearl“. Foto: Katrin Krumpholz

Der nächste Vormittag führt mich ins Museo Volvo Ocean Race, auf dem Gelände der Marina. Ich bin neugierig, wie das Thema Segelsport und Wettkampf museal dargestellt werden. Schon der Wegweiser zum Museum ist ein Hingucker: die modernste Version von Jack Sparrows „Black Pearl“, die es geben kann – die den 2. Platz beim Volvo Ocean Race von 2005-06 gewonnen hat. Da die Yacht sponsored by Disney ist, überrascht im Nachhinein auch der Look von „Pirates of the Caribbean“ nicht mehr. 😉 Die Yacht auf einer Verkehrsinsel zu platzieren hingegen finde ich eine klasse Idee – und frage mich, ob das nicht auch in Kiel möglich wäre. 😉

Auf dem Weg zum Museum überragt ein imposantes, historisches Segelschiff den Kai: die Santissima Trinidad. Der Nachbau des einst größten Kriegsschiffes der spanischen Marine wurde 2011 von Malaga nach Alicante überführt und dient heute als Restaurant. Leider ist es bei meinem Besuch geschlossen, so dass die imposante Erscheinung des Holzseglers und meine Fantasie ausreichen müssen. Der Dreimaster mit vier Decks lief 1769 vom Stapel und sank im Oktober 1805, nach der Schlacht von Trafalgar, lese ich bei Wikipedia. Übrigens: Unter dem Hashtag naviosantisimatrinidad kann man auf Twitter und Instagram eine Handvoll Detail- sowie Tages- und Nachtaufnahmen bestaunen.

War einst das größte Kriegsschiff der spanischen Marine: die Santissima Trinidad. Foto: Katrin Krumpholz

War einst das größte Kriegsschiff der spanischen Marine: die Santissima Trinidad. Foto: Katrin Krumpholz

So durchschreite ich also ganz unverhofft gleich 250 Jahre Seefahrergeschichte auf einmal. Vor mir liegt eine Woche Segeln, mit regelmäßigen Hafenstopps. Die Crews des Volvo Ocean Races sind je nach Etappe bis zu 30 Tage auf dem offenen Meer. Die Insassen der Santissima Trinidad waren hingegen mehrere Monate von A nach B unterwegs.

Das erste Mal am Ruder

Im Museo Volvo Ocean Race erfahre ich schließlich mehr über die Geschichte des weltumspannenden Wettkampfrennens. Initiiert wurde es unter anderem von Francis Chichester, der 1967 als Erster einhändig die Welt umsegelte. Das erste Rennen fand schließlich 1973 statt, damals noch gesponsert von der Brauerei Whitbread. Für die Segler gab’s damals sogar noch Bier an Bord! Erst mit dem dem Einstieg von Volvo im Jahr 1997 erhielt das Rennen seinen heutigen Wettkampfcharakter, ähnlich dem der Formel 1. Einige Athleten segeln nur des Sportaspektes wegen mit, weniger um des Segelns willen!

Gut gemacht: Am Nachbau eines Yachtbugs brechen Wellen virtuell mit Originalton. Im Hintergrund lockt ein "Racing"-Computerspiel zum Wettkampf. Foto: Katrin Krumpholz

Gut gemacht: Am Nachbau eines Yachtbugs brechen Wellen virtuell mit Originalton. Im Hintergrund lockt ein „Racing“-Computerspiel zum Wettkampf. Foto: Katrin Krumpholz

Interaktive Stationen mit Spielen, Interviews und Filmen bringen Besuchern das Besondere des Rennens nahe. Fotografieren ist übrigens ausdrücklich erlaubt, auch alles anfassen. Besonders beeindruckt mich der Filmraum: Fotografien zeigen Yachten und Crews während der Rennen – vom Wasser überspült, mit den Wellen kämpfend, strahlend vor Segelglück. Nur die Erzählungen der Athleten des Dokumentarfilms (darunter auch zwei Frauen) übertreffen die bisherigen Stationen und Motive. Dass von den 2000 bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern letztendlich nur fünf auf See blieben, ist angesichts der Bedingungen fast unglaublich.

Beeindruckende Fotografien bringen einem den Spirit des Volvo Ocean Race nahe. Foto: Katrin Krumpholz

Beeindruckende Fotografien bringen einem den Spirit des Volvo Ocean Race nahe. Foto: Katrin Krumpholz

Nach dem Besuch des Museums ist es Zeit, die Segelyacht und die Crew zu treffen. Am Abend vor Abreise lernen wir Schiff und Mitsegler kennen, und erhalten erste Einblicke in die Welt des Segelns. Die erste Nacht an Bord erwartet mich. Die Vorfreude auf Tag 1 auf See steigt. Am nächsten Vormittag starten wir zur ersten Segeletappe. Wie es weitergeht – und wohin, das erfahrt ihr in Kürze im zweiten Teil.

 

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